Wishful Wahrheit

In Claudia Hausfelds Schaukasten Wishful Thinking stellt die Künstlerin 5 collagierte Landschaftsdarstellungen aus. Liegend und nicht wie üblicherweise an der Wand hängend wird uns das Bildmaterial als Buch oder im ganzen als Objekt nahegebracht. In einer feinfühligen Vorgehensweise setzt sie Landschaften aus gefundenem Material zusammen, welche so genau in einander greifen, dass man die Manipulation der Vorlagen erst im zweiten Hinsehen wahrnimmt. Bei den Bildern, welche die Grundlage für ihre Collagen bieten, handelt es sich um gescannte Abbildungen aus Natur- oder Reise-Fotobänden. Die Künstlerin nimmt dabei neben dem Inhalt ihrer Vorlagen Buchmitte sowie Druckpixel als gleichwertige Bildinformation wahr. Beides integriert sie, indem die Linie der Falzkante wie eine Teilung des Bildes – jedoch nicht unbedingt mittig - stehen bleibt und somit die Komposition der Aufnahme verstärkt. Die Punkte des Druckes, die durch eine leichte Vergrößerung in der Reproduktion sichtbar werden stellen eine Art Duktus dar. Claudia Hausfeld, selbst eine studierte Fotografin, macht sich das Material ihrer Vorgänger zu eigen, um den Wahrheitsgehalt der übermittelten Information ins Wanken zu bringen. Fragen an die Fotografie und ihre Wahrheit, die sie fälschlicherweise über Jahrzehnte hinaus suggerierte, werden aufgeworfen. Denn auch wenn wir uns heutzutage der Nachbearbeitung digitaler Fotografie bewusst sind, so ist sie im Buchformat der Vergangenheit noch immer nicht wegzudenken und im Sockel von Wishful Thinking materialisiert.
Hausfeld stellt uns einer herbeigesehnten Wahrheit der Vergangenheit gegenüber, derer wir gern sehnsüchtig rückblickend unseren Glauben schenken möchten. Sie wirft einen archivarischen Blick in unsere Abbildung der Realität und lässt uns mit einer verstörenden Verrätselung dokumentierter Vergangenheit zurück.

Text: Maria Dabow

Wishful Truth

In Claudia Hausfelds showbox Wishful Thinking, the artist exhibits 5 landscape collages. The pictures are lying in the box, a gesture that turns the images into an open book or, in a general way, into an object. In a subtle approach she combines different landscapes from found material and intertwines them so precisely that the manipulation of the original is only visible on second glance. The images that form the basis of her collages are scanned-in photographs from books on travel and nature. Besides the content of the image itself, the artist adopts the book middle and the print pixels as equivalent image information. She integrates the fold of the book, not necessarily centered, into the image composition, and amplifies the structure through magnifying the print pixels. Claudia Hausfeld, herself a studied photographer, appropriates material from her predecessors to destabilize the veracity of the transmitted information. Questions to photography and its claim of truth are being raised. Even though we are aware of digital manipulation in current photography, this claim is manifested in the book-format of the past and materialized in Wishful Thinking. Hausfeld confronts us with a longing to believe in the authenticity of the past. She throws an archival look into our mapping of reality and leaves us with a disturbing mystification of documented past.

5 Collages (inkjet prints), showbox (wood, glass, paint), books. Ca. 45x140x30 cm

 
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